Sammlung Historische Berliner Straßenbahnwagen der BVG

Bw 808 (Typ B 06)

Bw 808 Beiwagen 808 - hier im Einsatz mit Triebwagen 10
© Foto: Lutz Stumpf

Die Große Berliner Straßenbahn (GBS) besaß zwischen ihrer Gründung im Jahre 1871 und ihrem Verkauf an den Zweckverband Groß-Berlin im Jahre 1919 praktisch das Beförderungsmonopol im Städtischen Nahverkehr von Berlin in den Grenzen von 1920. Nach dem Abschluss der Elektrifizierung des Netzes der Pferde-Eisenbahn im Jahre 1902 beschaffte und baute die GBS auch Serien von Beiwagen für den elektrischen Betrieb. Als dritte große Serie wurden von der Gesellschaft zwischen 1905 und 1912 insgesamt 174 Beiwagen mit der Bezeichnung "Großer Winter-Sommer-Wagen" in Betrieb genommen. Beiwagen 808 verließ 1908 die Hauptwerkstatt in der Uferstraße.
Die ersten 40 Wagen konnten durch Herausnahme der Seitenfenster in den Sommermonaten als damals übliche Sommerwagen eingesetzt werden. In der kalten Jahreszeit wurden die Fenster wieder eingebaut, was zur Folge hatte, dass diese Wagen zweimal im Jahr zum Umbau aus dem Verkehr gezogen werden mussten. Bei den später gebauten Wagen konnten dann im Sommer die Seitenscheiben, die sich in Holzrahmen befanden, durch Absenken in die Wagenwand ohne großen Zeitaufwand geöffnet und geschlossen werden. Die Plattformen der Beiwagen waren offen.

Nach der Bildung der Einheitsgemeinde Groß-Berlin wurden durch die Berliner Straßenbahn (BST) die im Stadtgebiet vorhandenen Straßenbahnbetriebe bis auf zwei Ausnahmen zusammengefasst. Alle 174 Beiwagen wurden von der BST im Jahr 1920 übernommen. Den Wagen wurde die Nummernreihe 974 bis 1087 zugeordnet. Der Beiwagen 808 aus der Serie 789 - 808 der GBS erhielt bei der Berliner Straßenbahn die Nummer 1032. Die bis Mitte der 1920er Jahre bei allen Wagen noch offenen Plattformen wurden 1927 geschlossen. Die Einstiege wurden mit Klappfenstern ausgerüstet und die nicht genutzte Seite jeweils mit Umsetztüren verschlossen. Dabei wurden auch die Plattformen vergrößert und der Achsstand von 2.200 mm auf 2.600 mm erweitert. Dieser Wagentyp erhielt im Jahre 1934 bei der BVG die Bezeichnung B06/27 (B für Beiwagen, 06 für das Baujahr 1906 und 27 für das Umbaujahr 1927).

Die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges überstanden 80 Wagen. Nach der Verwaltungstrennung der BVG im Jahre 1949 verblieben 56 Exemplare bei der BVG-West, die diese bis zum Jahre 1951 ausmusterte. Die bei der BVG-Ost verbliebenen 21 Wagen wurden zwischen 1950 und 1952 nochmals umgebaut. Das Oberlichtdach wurde entfernt und die Lüftungsklappen wurden in den oberen Teil der 4 Seitenfenster integriert. Bei diesem Umbau rüstete man auch die Beleuchtung im Wageninneren auf Leuchtstofflampen um. Die Plattformen und die Schlussleuchte wurden weiterhin mit Glühlampen bestückt. Der Achsabstand wurde abermals vergrößert, von 2.600 mm auf 3.000 mm. Bei einer fälligen Hauptuntersuchung erhielten im Jahre 1958 noch 10 Wagen Schiebetüren für den Schaffnerlosen Betrieb.

Im Jahre 1969 wurde Beiwagen 1032 der Gruppe Straßenbahnen (damals Arbeitsgemeinschaft Verkehrsgeschichte des deutschen Modelleinenbahn-Verbandes, dem heutigen Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin e.V.) zur Restaurierung überlassen. Bis zum Beginn der Restaurierung im Jahre 1984 wurde das Fahrzeug noch als Lager auf dem Betriebshof Köpenick und ab 1974 in der Wagenhalle Alt-Schmöckwitz genutzt.

Die Arbeiten am Beiwagen 1032 begannen mit dem der Restaurierung als Beiwagen 808 im Zustand der Inbetriebnahme bei der GBS. Insgesamt wurden rund 6.000 Freizeitstunden durch die Mitglieder der Arbeitsgruppe Straßenbahnen aufgewandt bis das Fahrzeug nach der Abnahme durch die Staatliche Bahnaufsicht schließlich für den historischen Gelegenheitsverkehr eingesetzt werden konnte.

Die Arbeiten am Fahrzeug entsprachen einer Hauptuntersuchung nach denkmalpflegerischen Grundsätzen. Für den Einsatz im historischen Gelegenheitsverkehr hat das Fahrzeug entsprechend der Technischen Aufsichtsbehörde zusätzlich eine Warnblickanlage erhalten, die von einer 24V-Batterie auf dem Triebwagen gespeist wird. Nach Ablauf der Hauptuntersuchungsfrist wurde das Fahrzeug im Jahre 1995 außer Betrieb genommen. Im Jahr 1998 begann die erneute Hauptuntersuchung, die mit einer Neulackierung im November 2001 abgeschlossen wurde.

Der Beiwagen 808 wird vorwiegend mit dem Triebwagen 10 eingesetzt.

Technische Daten:
Baujahr: 1908
1. Umbau: 1927
2. Umbau: 1950 - 1952
Rekonstruktion: 1984 - 1987
Länge Wagenkasten: 8.300 mm
Breite Wagenkasten: 2.120 mm
Höhe: 3.350 mm
Eigenmasse: 4.800 kg
Sitzplätze: 24