Denkmalstraßenbahn in Teltow umgesetzt

Am 1. Juli 1888 fuhr erstmals eine Dampfstraßenbahn vom Bahnhof Groß-Lichterfelde (heute S-Bahnhof Lichterfelde- Ost, im Südwesten von Berlin gelegen) nach Teltow. 1891 verlängerte man die Strecke nach Stahnsdorf, 1905 zur Machnower Schleuse. Die ab 1906 betriebsführenden Teltower Kreisbahnen ließen diese Strecke im Jahre 1907 elektrifizieren. Die Entwicklungen der Nachkriegszeit hatten zur Folge, dass ab Oktober 1950 über die Grenzen zwischen den von den Westmächten besetzten Berliner Sektoren und dem in der DDR gelegenen Berliner Umland alle straßengebundenen Nahverkehrsverbindungen gekappt wurden. Den in Teltow und Stahnsdorf verbliebenen Restbetrieb der Straßenbahn-Linie 96 führte kurze Zeit das KWU Potsdam und dann die Ostberliner BVG bis 1961 weiter. Ab 31. Oktober 1961 schließlich fuhren hier Busse des VEB Personenkraftverkehr Babelsberg.

Seit dem 5. Juni 1999 erinnert ein Denkmal in Form eines Straßenbahnwagens an der Potsdamer Straße Ecke Elbestraße an den Straßenbahnverkehr nach und in Teltow und Stahnsdorf. Die Arbeitsförderungsgesellschaft Teltow, welche auch den KT4D-Prototypen 001 restaurierte, hatte den Berliner Mitteleinstiegtriebwagen 3587 zwischen 1996 und 1998 im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme aufgearbeitet. Die WUMAG in Görlitz lieferte dieses Fahrzeug im Jahre 1929 an die BVG. Nach der Stilllegung aller Schützenwagen und Umbau zum TM 36 kam der Wagen ab 1938 wieder zum Einsatz. Im Zuge der Verwaltungstrennung der BVG verblieb er 1949 im Westteil Berlins, zuletzt in Charlottenburg beheimatet. Nach der Einstellung des dortigen Straßenbahnbetriebs im Jahre 1967 erwarb eine Bekleidungsfirma das Fahrzeug. Ab 1971 befand es sich auf einem Garagendach am Goslarer Ufer in Berlin als Denkmal. 1981 übernahmen die Berliner Eisenbahnfreunde e.V. (BEF) den Wagen und stellten ihn zu ihrem damaligen Grundstück an der Waldstraße in Berlin-Reinickendorf unter. Als die BEF 1996 nach Basdorf umzogen, stellte sich erneut die Frage nach dem weiteren Erhalt und Verbleib des Fahrzeugs. Erinnerungsstück an die Teltower „96“ – das war schließlich die Lösung. Man kann davon ausgehen, dass er in den Jahren zwischen 1938 und 1950 auch auf den damaligen Linien 96 und 177 auch nach Teltow gekommen ist. Und immerhin ist eine äußere Ähnlichkeit zu den ab 1950 auf der „Insel“-96 eingesetzten TM31U gegeben.

Eine geplante dauerhafte Nutzung als Tourismusbüro für Teltow kam aber leider nicht zustande. Die Freiabstellung über lange Jahre zeigte auch Folgen, unter anderem in Form eines undichten Daches.

So entstand der Gedanke, das Fahrzeug an einem touristisch attraktiven Standort zu platzieren, aufzufrischen und dort auch intensiver zu nutzen. Vorangetrieben wurde das Vorhaben durch den Berliner Journalisten Peter Hahn, der sich auch als Organisator des Kleinmachnower Schleusenfestes engagiert. Der Wagen soll nun an der früheren Endstelle an der Machnower Schleuse als Informationsbüro der Heimatvereine Teltow, Stahnsdorf und Kleinmachnow dienen. Die Stadt Teltow als Eigentümer stimmte im Hauptausschuss am 8. Juni 2009 diesem Plan zu, so dass das Technische Hilfswerk am 13. Juni 2009 die Bahn zu dem neuen Standort umsetzen konnte.

Verladung

Verladung zum Umzug

© Foto: I. Köhler

Zum Kleinmachnower Schleusenfest vom 19. bis 21. Juni 2009 konnten die Besucher nun die neue Attraktion bestaunen, auch in den Tagen zuvor fanden sich bereits erstaunte und interessierte Betrachter. Um einen dauerhaften Erhalt des Wagens zu sichern, wird nun eine Dachsanierung vorbereitet.

Hoffen wir, dass Triebwagen 3587 am neuen Standort von Vandalismusschäden verschont bleibt.

Verladung

Einweihung durch die Ortsvereine und Vertreter der Gemeinden mit Personalen in alter Uniform und musikalischer Umrahmung

© Foto: I. Köhler