Meldung vom 14. Oktober 2007

Rückblick auf die Veranstaltung
zu „100 Jahre Elektrische“

Tw 299 auf der Langen BrückeTw 299 aus Mariazell auf der Langen Brücke.

© Foto: Holger Schöne

Am Wochenende 1./2. September wurde in Potsdam das 100-jährige Bestehen des elektrischen Straßenbahnbetriebes gefeiert. Da als älteste Vertreter der Potsdamer Fahrzeuggeschichte nur noch die Gotha-Fahrzeuge aus den 1960er Jahren vorhanden sind, behalf man sich mit der Ausleihe von älteren Fahrzeugen aus anderen Städten, um einen kompletten Überblick über die Fahrzeugentwicklung geben zu können. So wurden stellvertretend für die erste und zweite Fahrzeuggeneration Wagen aus Mariazell und Magdeburg ausgeborgt und als Vertreter der in Potsdam über Jahrzehnte typischen LOWA-Wagen wurde ein Fahrzeug aus Rostock geholt.

Zunächst gab es am Morgen des 1.9.07 eine Fahrzeugparade auf dem ViP-Betriebshof. Auf den 8 Gleisen vor der Werkstatthalle waren dazu alle Fahrzeuggenerationen von der ersten „Elektrischen“ bis heute nebeneinander aufgereiht. Die Stars waren dabei natürlich die drei Gastfahrzeuge: Tw 299 ex Wien (Baujahr 1900) von der Museumstramway Mariazell in Österreich, Tw 23
(Baujahr 1899/1928) aus Magdeburg und LOWA Tw 46 (Baujahr 1956) aus Rostock. Neben den drei Gastfahrzeugen wurden folgende Potsdamer Fahrzeuge gezeigt: Gotha-G4-65 Tw 177 (Baujahr 1967) mit Gotha-B2-64 Bw 218 (Baujahr 1965), KT4D Prototyp Tw 001 (Baujahr 1972), KT4DM 155 (Baujahr 1987), Combino Prototyp Tw 400 (Baujahr 1996) und Combino Tw 407 (Baujahr 1999).

Am Vormittag befuhren die Tw 299 und 23 anschließend im Rahmen einer Sonderfahrt die Strecken zur Viereckremise, Kirschallee und zum Bhf. Pirschheide. Bei einer zweiten Sonderfahrt am Nachmittag kam Tw 46 gemeinsam mit Tw 177 zum Einsatz. Hierbei wurden die Strecken zur Glienicker Brücke, zum Schloss Charlottenhof, zur Viereckremise sowie zum Bhf. Rehbrücke befahren. Die Karten für beide Sonderfahrten waren zum großen Teil bereits Wochen vorher ausverkauft.

Das eigentliche Festprogramm am 2.9.07 startete gegen 12:40 Uhr am Platz der Einheit mit einer Fahrt für Ehrengäste im Tw 299 zur Viereckremise und zurück. Um 13:20 Uhr eröffnete Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs mit einem symbolischen Knopfdruck das Fest am Nauener Tor. Gegen 13:45 Uhr setzte sich der Korso folgender Fahrzeuge vom Platz der Einheit in Richtung Nauener Tor in Bewegung: Wien Tw 299, Magdeburg Tw 23, Rostock LOWA-Tw 46, Gotha-T2-64/B2-64 Dreiwagenzug Tw 109 + Bw 214 + Bw 218, Gotha-G4-65 Tw 177, KT4D Prototyp Tw 001, KT4DM Tw 159 und Combino Tw 407. Nach einer Fahrt zur Viereckremise traf der Korso wieder am Platz der Einheit ein, von wo aus die einzelnen Fahrzeuge anschließend bis 19:30 Uhr im Sonderverkehr als Linie „E“ zum Einsatz gelangten. Die Gastfahrzeuge (299, 23, 46) verkehrten auf dem Abschnitt Viereckremise - Platz der Einheit, die
Gotha-Züge (109+214+218, 177) bis Hauptbahnhof, die Tatra-Fahrzeuge (001, 159) und Combino (407) bis Stern bzw. Kirchsteigfeld (über Hauptbahnhof). Die erste Fahrt mit dem KT4D Prototyp Tw 001 vom Platz der Einheit führte direkt zur nicht mehr planmäßig bedienten Wendeschleife "Am Stern", um auch
an das Jubiläum "25 Jahre Stern-Strecke" zu erinnern.

In der WilhelmGalerie am Platz der Einheit waren diverse Info- und Souvenirstände aufgebaut. Außerdem gab es u. a. 15 Ausstellungstafeln und eine Modellstraßenbahn-Modulanlage der Magdeburger Straßenbahnfreunde zu sehen. Vor der Wilhelmgalerie am Platz der Einheit/Nord konnte man sich einen Eindruck vom Stand der Restaurierungsarbeiten für den "Lindner Motorwagen Baujahr 1907" verschaffen. Zu bestaunen war das bereits rekonstruierte Fahrgestell sowie die aufgearbeiteten Fahrschalter. Mitglieder des Vereins „Historische Straßenbahn Potsdam e.V.“ standen dazu Rede und Antwort. Am Nauener Tor war eine Bühne aufgebaut, wo bis zum Abend ein buntes Programm für die Besucher des Festes geboten wurde. Außerdem wurde jede Durchfahrt eines historischen Wagens durch künstlichen Nebel begleitet.

Um 20 Uhr starteten nochmals alle Fahrzeuge zur gemeinsamen Korsofahrt vom Platz der Einheit in Richtung Viereckremise. Die Rückfahrt des Korsos durch das Nauener Tor wurde gegen 20:35 Uhr in der bereits anbrechenden Dunkelheit durch eine spektakuläre Licht- und Nebelshow untermalt. Die Mitfahrt in den Fahrzeugen des Sonderverkehrs war am Sonntag kostenlos, wodurch die historischen Fahrzeuge stets gut gefüllt waren – allerdings sorgte dieser Umstand zugleich für einen erbitterten Kampf um die heiß begehrten Plätze in den ältesten Wagen. Ansonsten lief das gesamte Programm erfreulicherweise ohne Zwischenfälle oder technische Störungen ab. Die Besucherzahl lag nach einem Zeitungsbericht bei 25.000 Personen, wobei hier auch weitere Veranstaltungen in der Potsdamer Innenstadt (z.B. Töpfermarkt im Holländischen Viertel und verkaufsoffener Sonntag) eine wesentliche Rolle gespielt haben dürften.

Besonderer Dank gilt allen, die zum guten Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen haben - vor allem der ViP Verkehrsbetrieb Potsdam GmbH, der Museumstramway Mariazell, der Interessengemeinschaft Historischer Nahverkehr & Straßenbahnen bei den MVB e.V. (IGNah) und Magdeburger Verkehrsbetriebe GmbH (MVB), der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) und Rostocker Nahverkehrsfreunde, den aktiven Helfern des DVN sowie allen weiteren ehrenamtlichen Helfern.

Bilder der Jubiläumstage

© Foto unten: Christian Krüger