Gotha-Gelenktriebwagen 177

Bereits historisch ist die Streckenführung in Randlage in der Puschkinalle. Mit der Verlängerung der Straßenbahnstrecke zur Kirschallee wurde die Strecke zweigleisig in Straßenmitte trassiert. Aufnahme vom 29. Mai 1999.

© Foto: Holger Schöne

Mit dem Ziel, die Beförderungskapazität zu erhöhen und gleichzeitig Personal einzusparen, entstand 1959 beim VEB Waggonbau Gotha der Prototyp eines vierachsigen Gelenktriebwagens mit schwebendem Mittelteil (Typ EGT-59) auf der Basis des zweiachsigen Typs T57/B57. Dieser Prototyp wurde zunächst in Erfurt getestet, ein weiterer in leicht veränderter Ausführung ging 1960 nach Dresden. Eine entscheidende Neuerung wurde bei der Steuerung der Fahrzeuge eingeführt. Zum Einbau kam ein neu entwickelter, feinstufiger Unterflurfahrschalter, der statt einer Kurbel durch ein PKW-Lenkrad der Marke „Wartburg“ betätigt wird. Ebenfalls neu waren die durch den Fahrer ferngesteuert zu betätigenden Falttüren.

Bereits 1961 wurde mit der Fertigung der ersten Serienfahrzeuge des Typs G4-61 begonnen, von denen Potsdam zunächst zwei Fahrzeuge erhielt. Im Jahre 1963 folgten nochmals zwei und 1964 drei weitere Fahrzeuge des gleichen Typs. Ein markantes äußerliches Merkmal der Lieferserien bis 1964 waren umlaufende Aluminiumzierleisten unter den Fenstern.

Ab 1965 lieferte der VEB Waggonbau Gotha den weiterentwickelten Typ G4-65 aus, von dem Potsdam in den Jahren 1965 bis 1967 insgesamt 13 Fahrzeuge erhielt, darunter auch den Triebwagen 177. Bereits im Laufe der ersten Einsatzzeit stellte sich heraus, dass die anfangs eigentlich nur für den Solo-Einsatz konzipierten Fahrzeuge dem ständig steigenden Fahrgastauf-kommen kaum gewachsen waren. Die ab 1965 gelieferten Fahrzeuge wurden daher gleich mit einer automatischen Kupplung am Wagenende ausgerüstet, um problemlos einen zweiachsigen Beiwagen mitführen zu können. Diese Form der Zugbildung wurde bis zum Ende der Einsatzzeit der Gotha-Gelenkwagen praktiziert, was nicht unwesentlich zu einem stärkeren Verschleiß der Fahrzeuge beitrug.

Aufgrund akuten Fahrzeugmangels wurden 1984 sechs weitere Gelenkwagen aus Leipzig übernommen. Da sich diese jedoch in recht desolatem Zustand befanden, wurde nur ein Fahrzeug für einen Einsatz in Potsdam hergerichtet (Wagen 186).

Bei der Farbgebung der Fahrzeuge blieb man bis 1987 ausschließlich beim traditionellen elfenbein, verziert mit einer roten Bauchbinde, die zeitweise im Frontbereich zu drei Zierstreifen ergänzt wurde. Ab 1987 wurden insgesamt vier Gotha-Gelenkwagen mit einer den Tatra-Wagen angepassten, rot-cremeweißen Farbgebung versehen, darunter auch 1988 der Tw 177. Aufgrund der Übernahme gebrauchter Tatra-Wagen aus Berlin wurden bis 1990 die letzten Gotha-Gelenkwagen abgestellt.

Zu diesem Zeitpunkt entschied sich der Verkehrsbetrieb Potsdam, den Triebwagen 177 als historischen Zeitzeugen der Nachwelt zu erhalten. In der Folgezeit wurde der Wagen noch gelegentlich für Sonderfahrten genutzt, bis er 1995 wegen abgelaufener Hauptuntersuchungsfrist abgestellt werden musste.

Am 10. November 1997 wurde der Tw 177 zur Firma MANIKA in Güstrow überstellt, wo er einer umfassenden Rekonstruktion unterzogen wurde. Nach seiner Fertigstellung kehrte er am 15. Dezember 1998 nach Potsdam zurück.

Neben Einsätzen durch den Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin e.V. ist es auch möglich, dieses Fahrzeug für eigene Sonderfahrten zu mieten. Auf Wunsch ist auch eine Bewirtschaftung des Wagens an der eingebauten Theke mit Zapfanlage möglich.

Technische Daten

   
Hersteller
mechanischer Teil:
VEB Waggonbau Gotha
Hersteller
elektrischer Teil:
VEB Lokomotivbau Elektrotechnische Werke Hennigsdorf
Fahrzeugtyp: G4-65
Länge: 20.938 mm
Breite: 2.200 mm
Achsstand: 3.200 mm
Leistung: 2 × 60 kW
Sitzplätze: 35
Baujahr: 1967
Baunummer: 304
Erstinbetriebnahme: 29. April 1967
Letzter Linieneinsatz: 3. Januar 1990 auf Linie 4