Die Gotha-Wagen –
Betriebsgeschichte Triebwagen 109 und
Beiwagen 214/218

Im April 1999 konnte man am Luisenplatz noch die alte Streckenführung mit der S-Kurve benutzen. Heute laufen die Gleise von der Charlottenstraße kommend geradeaus in Richtung Potsdam-West.

© Foto: Holger Schöne

Nachdem ab 1950 zunächst beim Waggonbau Werdau als erste Neubaustraßenbahnen der DDR die so genannten LOWA-Wagen gebaut wurden, lieferte der VEB Waggonbau Gotha ab 1957 die ersten Gotha-Wagen (Typ T57/B57). Ab 1962 wurden diese durch die Nachfolgemodelle des Typs T2-62/B2-62 abgelöst. Die Fahrzeuge waren nun nur noch für den Einrichtungsbetrieb konzipiert und erhielten anstelle der herkömmlichen Kurbel die neuartige Schaltradsteuerung der Gelenkwagen eingebaut. Die letzte Konstruktionsänderung wurde mit dem Typ T2-64/B2-64 durchgeführt, diese betraf vor allem äußerlich sichtbar den Wegfall der bisherigen Aluminiumzierleisten unter den Fenstern.

Die ersten 3 Triebwagen und 5 Beiwagen dieses Typs wurden 1967 direkt nach Potsdam geliefert. Als Ausgleich für noch ausgebliebene Lieferungen von Neufahrzeugen wurden von 1974 bis 1978 insgesamt 20 Triebwagen und 40 Beiwagen aus Chemnitz und Magdeburg übernommen. Die heute erhaltenen Fahrzeuge 109, 214 und 218 wurden 1974 aus Chemnitz übernommen und nach einer gründlichen Hauptuntersuchung bei den Leipziger Verkehrsbetrieben 1975 in Potsdam in Dienst gestellt.

Der Tw 109 wurde bis Januar 1986 ausschließlich als Dreiwagenzug in elfenbeinfarbener Lackierung und drei roten Zierstreifen an der Stirnfront eingesetzt. Die Beiwagen 214 und 218 führten zunächst ein getrenntes Dasein. Während Bw 214 bis 1986 meist als Schlusswagen in Dreiwagenzügen eingesetzt wurde, kam Bw 218 in der Regel hinter Gelenkwagen des Typs Gotha G4 zum Einsatz.

Im Jahre 1987 entschied sich der Verkehrsbetrieb Potsdam zu einer farblichen Angleichung der Gotha-Wagen an das Erscheinungsbild der Tatra-Wagen. Am 14. Juni 1987, dem „Tag der Werktätigen des Verkehrswesens“, wurde der Dreiwagenzug 109-214-218 als erster Zug in den neuen Farben rot-cremeweiß präsentiert. Bis 1988 wurden noch weitere 4 Dreiwagenzüge in das neue Farbschema umlackiert.

Aufgrund der Übernahme gebrauchter Tatra-Wagen aus Berlin wurden bis Januar 1990 sämtliche Gotha-Wagen abgestellt. Zu diesem Zeitpunkt entschied sich der Verkehrsbetrieb Potsdam, den Dreiwagenzug 109+214+218 als historischen Zeitzeugen der Nachwelt zu erhalten.

Im August 1992 wurden zunächst die Wagenkästen der Beiwagen 214 und 218 zum Waggonbau Bautzen überführt und anschließend rekonstruiert. Im August 1994 wurde auch der Triebwagen 109 nach Bautzen transportiert, während die beiden Beiwagen nach Potsdam zurückkehrten. Nach seiner Rückkehr von der umfassenden Rekonstruktion in Bautzen ist der Triebwagen 109 seit Oktober 1996 wieder für Sonderfahrten im Einsatz. Die beiden Beiwagen wurden schließlich im November 1997 zur Komplettierung der Firma MANIKA in Güstrow überstellt, von wo sie im April 1998 zurückkehrten.

Zur Eröffnung der Straßenbahnstrecke ins Kirchsteigfeld fuhr der historische Gothazug zum ersten Mal mit beiden Beiwagen.

© Foto: Stephan Mertens

Anlässlich der Streckenerweiterung in das Kirchsteigfeld konnte am 23. Mai 1998 erstmals wieder der komplette Dreiwagenzug im Sonderverkehr eingesetzt werden. Neben Einsätzen durch den Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin e.V. ist es auch möglich, diesen Zug für eigene Sonderfahrten zu mieten, auf Wunsch auch den Triebwagen 109 ohne die Beiwagen.

Technische Daten:
Wagen: Triebwagen
109
Beiwagen
214
Beiwagen
218
Typ: T2-64 B2-64 B2-64
Hersteller: Waggonbau Gotha Waggonbau Gotha Waggonbau Gotha
Baujahr: 1965 1969 1965
Länge: 10.900 mm 10.900 mm 10.900 mm
Breite: 2.200 mm 2.200 mm 2.200 mm
Höhe Wagenkasten: 3.115 mm 3.115 mm 3.115 mm
Eigenmasse: 13.300 kg 8.500 kg 8.500 kg
Motorleistung: 2 x 60 kW antriebslos antriebslos
Sitzplätze: 18 (original 20) 21 (original 24) 21 (original 24)
Baunummer: 907 050 993
Fahrzeugnummer Karl-Marx-Stadt: 820 964 935
Fahrzeugnummer Potsdam: 109 214 218
Erstinbetriebnahme: 27.12.1965 11.07.1969 03.01.1966
Inbetriebnahme Potsdam: 18.02.1975 24.01.1975 18.02.1975
letzter Linieneinsatz: 03.01.1990 (als Dreiwagenzug 109+214+218 auf Linie 4