Obus Nr. 488 Typ AEG-HS 56

Obus 488 in Eberswalde als historisches Fahrzeug

Obus 488 am 06. Mai 2000 in Eberswalde.

© Foto: Mattis Schindler

Die Berliner Verkehrs-AG (BVG) erhielt 1957 sechs neue Obusse. Ein im Vorjahr beschaffter mit viel neuer Technik ausgerüsteter Prototyp hatte sich nach anfänglichen Kinderkrankheiten bewährt.

Die Fahrzeuge wurden in der BVG-Hauptwerkstatt montiert; Gaubschat aus Neuköln lieferte die Wagenkästen, die Achsen kamen von Henschel, die elektrische Steuerung von der AEG aus Spandau und die BVG fügte die bereits in den 1940er Jahren beschafften Fahrmotore hinzu, die ebenfalls von AEG stammten.

Herausragende Besonderheiten des Wagens waren die neuartige selbsttragende Stahl-Aluminium-Karosse, die indirekte elektropneumatische Fahr- und Bremssteuerung und eine 72-Volt-Batterienotfahreinrichtung. Mit dieser Notfahreinrichtung konnte der Wagen auf einer etwa 1,5 km Strecke fahrdrahtunabhängig bewegt werden. Die höchstmögliche Geschwindigkeit beträgt dabei ca. 10 km/h. Das Nockenschaltwerk vom Typ GNW 55 stellte die Grundlage für eine größere Anzahl ähnlicher Geräte dar. Ein elektrisch angesteuerter Druckluftzylinder dreht die unterflur in Wagenmitte liegende Schaltwalze motorstromabhängig durch. Damit werden 14 Fahrstufen in Serien- und Parallelschaltung betätig. Bereits in älteren Modellen bewährt hatte sich der Doppelkollektormotor des Typs USC 0227.

Obus 488 in Berlin im Einsatz

Unser Obus 488 noch im Einsatz bei der Berliner BVG.

© Foto: Sammlung DVN

Bemerkenswert ist die typische offene BVG-Heckplattform, die so gar nicht zu diesen für ihre Zeit fortschrittlichen Wagen passt. Alle Wagen wurden vom Betriebshof Lichterfelde aus eingesetzt und fuhren bis zur Einstellung der letzten Steglitzer Obuslinie im Jahre 1965.

Alle Versuche die Wagen an andere Obusbetriebe zu verkaufen, scheiterten vor allem an der offenen Heckplattform.

Der Wagen 488 wurde in die Museumssammlung der BVG übernommen, stand neben den anderen für ein technisches Landes-Museum vorgesehenen Fahrzeugen im Betriebshof Britz und war nur selten der Öffentlichkeit zugänglich. 1993 übergab man die Sammlung und damit auch 488 dem Deutschen Technikmuseum Berlin (DTM).

Durch Initiative des Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin (DVN) e.V. kehrte er 1997 anlässlich „150 Jahre öffentlicher Personennahverkehr“ auf Berliner Straßen und anschließend nach 32 Jahren Abstellung unter Obusfahrleitungen in Eberswalde zurück.

In gemeinsamer Aktion haben Barnimer Bus Gesellschaft, DTM und DVN ihn wieder betriebsfähig hergerichtet und so ist er seit dem 26. Dezember 1997 wieder für Sonderfahrten zugelassen.

Technische Daten:

Obus Nr. 488 Typ AEG-HS 56
Länge: 10.525 mm
Breite: 2.500 mm
Höhe (ohne Stangen): 2.850 mm
Leermasse: 9.680 kg
zulässige Gesamtmasse: 13.230 kg
Höchstgeschwindigkeit: 55 km/h
Leistung : 2 x 55/42,5 kW (bei 550 Volt)
Sitz-/Stehplätze*: 34/45
*die heutigen Zulassungsbedingungen gestatten die Stehplätze für den historischen Betrieb nicht mehr

Fahrzeugskizze

Fahrzeugskizze Obus 488