Obus Nr. 19  Typ Škoda 9Tr mit Anhänger Lowa W701

9Tr in Eberswalde

Obus Nr. 19 befährt im Juni 2000 die Straßen von Eberswalde.

© Foto: Mattis Schindler

Die ehemalige DDR stellte auf Grund eines Beschlusses des „Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe“ (RGW oder COMECON genannt) 1957 die Obusproduktion ein.

Ab 1958 erwarb man Obusse von dem tschechoslowakischen Hersteller Škoda. Als erstes kamen 52 Wagen vom Typ 8Tr, von dem in Deutschland nur ein Wagen, beim Straßenbahnmuseum Leipzig, der Nachwelt erhalten blieb. Von 1962 bis 1970 wurden für die 11 DDR-Obusbetriebe insgesamt 134 Obusse vom Typ 9Tr beschafft. Bis 1982 lieferte Škoda weltweit 7.452 Obusse dieses bis heute bewährten Typs. Fahrzeuge dieser Baureihe sind noch heute auf der Krim im Einsatz. In Eberswalde fuhren 15 fabrikneue und 7 gebraucht, aus den stillgelegten Betrieben Berlin, Dresden und Gera, übernommene 9Tr. Einige Wagen waren für den Betrieb mit LOWA-Anhängern aus DDR-Produktion ausgerüstet.

Unser Wagen entstammt aus der 14. Serie von 1969 und war ursprünglich für die Sowjetunion, dem größten Abnehmer von Škoda-Obussen, vorgesehen. Die fast unverwüstliche, auf das Wesentliche beschränkte, Technik führte in Eberswalde zu bis zu 19 Einsatzjahren. Besonders zuverlässig arbeitet die durch weit öffnende Bugklappen erreichbare indirekte elektromagnetische Schützensteuerung. Die anfänglich unter dem Wagen angeordneten Widerstände wurden bei Rekonstruktionen und bei den Serien ab 1966 direkt ab Werk auf dem Dach angeordnet. Der kompensierte Einkollektorreihenschlußmotor Typ AL2943RN hat sich seit Mitte der 1950er Jahre bis heute bewährt. Mit der Abstellung der letzten 9Tr der DDR in Eberswalde konnte der Obus 31 (1984 ex 19) 1988 durch die damaligen Arbeitsgemeinschaften des Deutschen Modelleisenban-Verbandes 1/66 (heute DVN) und 3/151 (heute Agr. Obus des DVN) gerettet werden. Er wurde in 10 Jahren (!) in mühevoller unentgeltlicher Freizeitarbeit mit Unterstützung der Barnimer Busgesellschaft mbH (BBG), dem Märkischen Museum Berlin, den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) – die ihm jahrelang ein Domizil stellte –, des Herstellers und vieler tschechischer Obusbetriebe (Teplice, Ostrava, Pardubice u.a.) und weiterer Sponsoren von Grund auf instandgesetzt.

Um einen bei vielen Eberswaldern und Gästen bekannten Anhängerzug präsentieren zu können, wird ein Anhänger Typ W701 aus dem Jahre 1959 demnächst wiederhergestellt. Der Anhängerbetrieb in Eberswalde ist als letzter auf öffentlichen Straßen Deutschlands im Jahre 1985 aufgegeben worden. Seit Mitte der 1960er Jahre war dafür eine Ausnahmegenehmigung vorgeschrieben und wegen bis dahin nicht beschaffbarer Gelenk-Obusse auch notwendig. Der Wagen XVI entstand im Mähdrescherwerk Weimar nach den Vorgaben des vereinigten Fahrzeugbaus der DDR (LOWA) ursprünglich für Dieselbusse vom Typ H6B und ist 1970 im Kraftfahrzeuginstandsetzungsbetrieb Altenburg rekonstruiert worden. Ursprünglich fuhr er beim Kraftverkehr Meißen und von 1966 bis 1975 beim Dresdner Obusbetrieb. Von 1985 bis 1997 fristete er sein Dasein im Freien, bevor er von DVN und BBG für die Nachwelt gerettet wurde.

Technische Daten:

  Škoda 9Tr Lowa W701
Länge: 11.080 mm 5.850 mm
Breite: 2.500 mm 2.500 mm
Höhe (ohne Stangen): 2.850 mm 2.750 mm
Leermasse: 9.000 kg 3.520 kg
zulässige Gesamtmasse: 16.000 kg 5.600 kg
Höchstgeschwindigkeit: 60 km/h
Stunden-/Dauerleistung : 115/110 kW
Sitz-/Stehplätze: 23/75 20/12