Obus Nr. 3 Typ Škoda 14Tr

Kriegseinheitsobus am Fundort in Norddeutschland

Obus Nr. 3 präsentiert sich am 16. Mai 1998 dem Fotografen.

© Foto: Holger Schöne

Nach der Beschaffung der Skoda 9Tr für die DDR, gab es ähnlich der Entwicklung im Westen eine Abkehr vom System Obus. Durch mangelnde Investitionen in Fahrzeuge und Infrastruktur erfolgte die Einstellung der meisten DDR-Obusbetriebe. Ausgelöst durch die Ölkrise in den späten 1970er Jahren erinnerte man sich auch in der damaligen DDR an das Verkehrsmittel Obus und bezog 1982 einen tschechischen Škoda 14Tr Testwagen, nachdem bereits 1958 bis 1969 Vorgängertypen geliefert wurden.

Der erfolgreiche Testeinsatz in Weimar führte 1983/84 nach einer dreizehnjährigen Pause zur Beschaffung von insgesamt 20 Obussen für die noch bestehenden Obusbetriebe in Eberswalde (3), Potsdam (5) und Weimar (12).

Die Fahrzeuge entstammten einer Serie für das damals jugoslawische Sarajewo (Winterolympiade 1984), die die Importeure auf Grund qualitätsmindernder Massenproduktion nicht abnahmen.

Die Karosserien des ersten Bauloses wurden durch den Hersteller verstärkt und nach den Anfangsproblemen mit den schlechten Straßenverhältnissen sowie dem Ersatzteilmangel bewährten sich die Wagen jedoch sehr gut. Zur Beliebtheit trug vor allem die einfach aufgebaute, robuste und wartungsarme sowie energiesparende Thyristorsteuerung bei. Gegenüber einer klassischen Steuerung sank der Energieverbrauch um 15%. Von 1981 bis 2004 wurden bisher mehr als 3.400 Fahrzeuge dieses Typs gebaut.

1985 und 1990 wurde der größte Teil der in der DDR vorhandenen Škoda im brandenburgischen Potsdam zusammengezogen, u.a. durch Tausch mit Eberswalde gegen die für Potsdam ungeeigneten Ikarus 280T. Dort wurde deutlich, zu welchen Transportleistungen die Wagen in der Lage sind, denn nach der Grenzöffnung und der Wiederaufnahme des S-Bahnverkehrs von und nach Berlin stiegen die Fahrgastzahlen sprunghaft an.

Mit der Verkürzung der Potsdamer Obuslinie 1992 und deren Außerbetriebnahme im Januar 1995 sowie dem Ersatz der Weimarer Wagen durch IKARUS-Gelenkobusse 1990, wurden fast alle verkauft. 18 Obusse fanden neue Einsatzgebiete im tschechischen Ostrava, im rumänischen Sibiu und den ukrainischen Städten Iwanowo-Franko sowie Tschernowzy und waren noch lange im Einsatz. Nur der Testwagen wurde in Weimar verschrottet.

Der Potsdamer Wagen 976 (1988 ex 406, 1985 ex Weimar 8003), der ein Jahr zuvor durch die ViP in Zusammenarbeit mit dem KIB Kleinmachnow eine probeweise Hauptuntersuchung bekommen hatte, konnte – mit Hilfe der Verkehrsbetriebe Potsdam – vom Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin e.V. für museale Zwecke übernommen werden.

Seit dem 20. April 1996 steht er nach umfangreicher Instandsetzung, die in Zusammenarbeit mit der Barnimer Busgesellschaft und weiterer Sponsoren erfolgte, wieder zu Einsätzen bereit.

Technische Daten:

Obus Nr. 3 Typ Škoda 14 Tr
Länge: 11.350 mm
Breite: 2.500 mm
Höhe: 3.140 mm
Leermasse: 10.220
zulässige Gesamtmasse: 17.300 kg
Höchstgeschwindigkeit: 65 km/h
Stunden-/Dauerleistung
(bei 600 V, 1.600 U/min) :
115/100 kW
Sitz-/Stehplätze: 23/75